Das 1859 gegründete Rostocker Museum zählt nicht nur zu den ältesten Norddeutschlands, sondern beherbergt mit seinen reichen kultur- und kunstgeschichtlichen Sammlungen von Malerei über Grafik bis zu Kunsthandwerk, Münzen, Möbeln, Militaria, Alltagskultur und Archäologie zugleich eine der bedeutendsten Sammlungen des Bundeslandes.
Im Jahr 1841 kamen Bürger der Stadt, vor allem Kaufleute, Ärzte und Juristen, im Rostocker Kunstverein zusammen, um mit Ausstellungen bildender Kunst dem Interesse der Bürger auf diesem Gebiet gerecht zu werden. 1852 schloss sich eine Reihe von ambitionierten, bereits im Kunstverein eingetragenen Bürgern in einem Verein zur Gründung, Vermehrung und Erhaltung einer Sammlung von Kunstgegenständen für die Stadt Rostock zusammen, welcher den Grundgedanken des Kunstvereins, Verständnis für die bildende Kunst bei den Einwohnern zu fördern, sowohl um den Gedanken der Schaffung einer dauerhaften Kunstsammlung als auch ihre Ausstellung erweiterte.
Erstes Ergebnis der Tätigkeit des Vereins war 1858 der durch die Sparkasse finanzierte Ankauf eines Gebäudes in der Steinstraße für eine ständige Kunstausstellung. Die für die Sammlung erworbenen Kunstwerke wurden zu unveräußerlichem Eigentum der Stadt erklärt und sollten jedermann unentgeltlich zugänglich gemacht werden.
Gleichzeitig wuchs auch in Rostock wie in anderen deutschen Städten das Interesse an den konkreten Überlieferungen der Vergangenheit, wobei neben dem Ziel der Erforschung und Dokumentation auch der Zweck der Erhaltung von Quellen vergangener Jahrhunderte, ihr Sammeln und Bewahren sowie Gedanken von früher Denkmalpflege im Mittelpunkt standen.
So entstand auch in Rostock 1883 mit dem „Verein für Rostocks Altertümer“ ein Geschichtsverein, der die Sammlung und Bewahrung von Sachzeugnissen der Vergangenheit zum Ziel hatte. Bereits bei der Gründung war die Einrichtung eines öffentlichen Museums Zweck der Arbeit der Mitglieder. Im November 1883 überwies die Stadt dem Altertumsverein für die einzurichtende Sammlung eine ehemalige Schankwirtschaft, den „Lindenhof“ in der Lindenstraße, wo 1885 die erste Ausstellung eröffnet wurde.
Durch zahlreiche Geschenke Rostocker Bürger, umfangreiche Zuweisungen des Besitzes der aufgelösten Handwerksämter oder der 1864 geschlossenen städtischen Münze sowie durch Erwerbungen kam rasch ein bedeutender Bestand an stadt- und kulturgeschichtlichen Objekten zusammen. Im Vordergrund standen Dinge mit stadtgeschichtlichem Bezug: Münzen und Siegel, Modelle Rostocker Baudenkmale, Arbeitsgeräte und Zunftgeschirr, sakrale Altertümer und Zeugnisse der Kultur und Lebensweise Rostocker Bürger.
Diese erste Phase der Museumsentwicklung im dritten Drittel des 19. Jahrhunderts war von einer hohen Dynamik gekennzeichnet. Wegen des wachsenden Umfanges der Städtischen Kunstsammlung und der Altertumssammlung wurden das Kunstmuseum in der Steinstraße und das Altertumsmuseum in der Lindenstraße daher bereits um 1887 zu klein.
Deshalb kam es bis 1892 zu Überlegungen und Verhandlungen über die Einrichtung eines „Museums für Kunst und Altertümer”, das beide Sammlungen unter einem Dach vereinen sollte.
Die Ausführung des Projektes eines repräsentativen und modernen Neubaus scheiterte aber an den Kosten. Daher wurde im März 1901 das an der Friedrich-Franz-Straße vor dem Steintor gelegene Gesellschaftshaus der „Societät” von der Stadt erworben und nach Plänen des Stadtbaudirektors Gustav Dehn als Museum umgebaut.
Das neue „Kunst- und Altertumsmuseum” wurde am 4. Oktober 1903 eröffnet. Es vereinte, wie Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts typisch, kunst- und kulturgeschichtliche Sammlungen unter einem Dach.
Die Führung des Museums, die Pflege und die Erweiterung der Sammlungen oblag weiter den Vereinen. Die Stadt trug die Kosten für den Betrieb des Hauses. 1923 wurde beim Rat eine Museumsverwaltung geschaffen, um das durch die Inflation bedrohte Haus zu bewahren und den Betrieb dauerhaft zu sichern. Versuche, 1924 das Katharinenkloster für die den Platz des Hauses übersteigende Altertumssammlung zu restaurieren, scheiterten 1932 endgültig an den Kosten.
Dennoch wurde 1928 mit der Ur- und frühgeschichtlichen Sammlung ein weiterer bedeutender Teil der Bestände erworben und in das Altertumsmuseum als Vorgeschichtliche Abteilung eingegliedert. Schausammlung und Bestände beschränkten sich von Beginn an nicht allein auf das Rostocker Stadtgebiet, sondern umfassten den gesamten mecklenburgischen Raum.
Nach ersten Ansätzen kam es unter dem 1932 an das Museum berufenen Lübecker Kunsthistoriker Arnold Gräbke zu einer umfassenden Neuordnung. Gräbke arbeitete zielgerichtet an der Erweiterung der Sammlungen, wobei immer der Gedanke der Vermittlung eines Gesamtbildes bürgerlicher Kultur und Geschichte über Gegenstände der Kunst und des Kunstgewerbes im Mittelpunkt stand.
Die Erweiterung der Zinnsammlung, der Interieursammlung, die Kollektion städtischer Kleidung und bäuerlicher Trachten sowie der gezielte Ankauf von Kunstwerken ließen die Sammlungen anwachsen und stärkten das Profil des Museums. Prägend blieb weiterhin die parallele Ausstellung von kunsthistorischen und historischen Beständen unter einem Dach.
Gräbke richtete eine nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten gegliederte Ausstellung zur Stadtgeschichte ein und schuf Gedächtniszimmer für Gebhardt Leberecht von Blücher und John Brinckman. Schwerpunkte bildeten die sakrale Kunst oder das Zinn- und Silbergeschirr der Rostocker Handwerker.
Gleichzeitig wuchsen unter dem Nationalsozialismus aber auch die politischen Anforderungen an das Museum. 1933 wurden der „Kunstverein zu Rostock” und der „Verein für Rostocks Altertümer” aufgelöst und ihre Sammlungen der nationalsozialistischen Reichskammer der bildenden Künste unterstellt. Nationalsozialistische Kommissionen sonderten Werke der „entarteten Kunst” aus. 1936 wurden das Kunst- und das Altertumsmuseum unter dem Namen „Städtisches Museum” vereinigt, in das nun auch das 1902 von der Abteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft gegründete Museum für Völkerkunde und das Ratsarchiv eingegliedert wurden.
1942 begannen die Auslagerungen des Museumsgutes in Tresore und Bunker. Andere Sammlungsteile brachte man 1943/44 in die Dorfkirchen von Belitz und Kavelstorf, die Gutshäuser von Tessenow, Niekrenz und Plüschow sowie in die Schlösser Erdmannsorff und Carolrath, um sie vor der Zerstörung durch die Bombenangriffe zu schützen.
An den Auslagerungsorten entstanden dem Museum große Verluste, während das Ausstellungsgebäude nur leicht beschädigt wurde. Die Sammlungen des Völkerkundemuseums wurden Großteils zerstört. Die mecklenburgischen Trachten gingen vollständig verloren. Durch die Zerstörung wertvoller Gemälde, Möbel, stadtgeschichtlicher Objekte und sakraler Kunstwerke hatten die Bestände weitere Verluste zu verzeichnen.
Nach der Instandsetzung des Museumsgebäudes 1945 wurden die Bestände zurückgeführt. Noch vor der Wiederherstellung der ständigen Ausstellung fand im Oktober 1945 eine erste Ausstellung mit Werken Ernst Barlachs statt. Das „Museum der Stadt Rostock”, wie man die Einrichtung nun bezeichnete, wurde dann am 1. Mai 1946 als eines der ersten Museen in der sowjetischen Besatzungszone wieder eröffnet.
Die fünfziger und sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren wiederum von einer großen Dynamik in der Museumsentwicklung gekennzeichnet. Unter der Leitung des Kunsthistorikers Johann Joachim Bernitt kam zur weiteren wissenschaftlichen Aufarbeitung der Sammlungen, die nun endgültig nach Maßstäben eines in einzelne wissenschaftliche Bestände gegliederten Museums geordnet wurden.
Gleichzeitig änderten sich mit dem zunehmenden Einfluss der sozialistischen Staatsdoktrin auf das kulturelle Leben jedoch die Ansprüche an das durch seine Entstehung und die Sammlung vorrangig bürgerlich geprägte Rostocker Museum in dem zentral gelegenen Gebäude in der August-Bebel-Straße.
Bereits 1955/56 war mit dem Sammlungsbereich „Dokumente zur Geschichte der Arbeiterbewegung” ein deutlich auf die Belange der Darstellung der Arbeiterbewegung zielender neuer Bestand geschaffen worden. Seit 1960 wurden dann Diskussionen um die Einrichtung eines Schifffahrtsmuseums zur Präsentation der Seefahrtsgeschichte und der eng mit der Entwicklung der Arbeiterklasse verbunden gesehenen Werft- und Hafengeschichte geführt. Nach ersten Studien ab 1965 wurde 1968 im Gebäude des “Museums der Stadt Rostock” das Schifffahrtsmuseum eingerichtet.
Obwohl 1969 das Kröpeliner Tor für eine neue stadtgeschichtliche Ausstellung umgebaut wurde, konnten seitdem wesentliche Teile der umfangreichen Bestände des Kulturhistorischen Museums nicht mehr beziehungsweise nur in eng begrenzten Sonderausstellungen kurzzeitig präsentiert werden.
Erst mit der Rekonstruktion und dem Umbau der Anlage des Klosters zum Heiligen Kreuz ab 1976 setzte ein Neubeginn für das ohne eigenes Haus existierende Kulturhistorische Museum ein, wobei die ursprünglichen Pläne bis 1980 nur zu einen Teil umgesetzt wurden. Nach der politischen Wende konnte ab 1997 mit der Instandsetzung des Westflügels an die Umsetzung eines der Bedeutung des Museums und seiner Bestände für Mecklenburg-Vorpommern und Norddeutschland angemessenen neuen Konzeptes begonnen werden.
Neben der Sammlung des Staatlichen Museums Schwerin, dem Pommerschen Landesmuseum, dem Kulturhistorischen Museum Stralsund und der Neubrandenburger Kunstsammlung zählt es damit zu den größten des Landes Mecklenburg-Vorpommern.
Anschrift
Kulturhistorisches Museum Rostock
Klosterhof 7
18055 Rostock
Telefon 0381 20359-0
Fax 0381 3819451
kulturhistorisches.museum(at)rostock.de
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag
10.00 bis 18.00 Uhr
Montag geschlossen
Eintritt: frei
(ausgenommen einzelne Sonderausstellungen)
Führungen
Öffentliche Führungen (ab 5 Pers.): Erwachsene 2,00 EUR, Kinder frei
Gruppen (Voranmeldung, bis 25 Pers.): 30,00 EUR
Tel. 0381 20359-14, Fax. -13
Kindergruppen, Schulklassen (Voranmeldung): frei
Tel. 0381 20359-14, Fax. -13
Entgeltordnung (PDF/72kB)
Links
Museumsverband in Mecklenburg-Vorpommern
Internationaler Museumsrat (ICOM Europe)
Kulturportal Mecklenburg-Vorpommern