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100 UND 1 ZEICHNUNG. MECKLENBURGISCHE TRACHTEN VON WOLFGANG »WOLF« BERGENROTH (1893–1942)

Online-Reihe SICHTweisen, Teil 2

Hohe Kunst der Trachtenbücher/ Callot und die Tracht à la mode

Warum Bergenroth mit den Zeichnungen zu Mecklenburgischen Trachten begann, ließ sich trotz intensiver Recherche nicht klären. Vielleicht war es die Faszination am »scheinbaren« Unveränderlichen in einer sich schnell und gravierend ändernden Zeit? Vielleicht erinnerten ihn die Trachten an die Vergangenheit? An die hohe Kunst der Trachtenbücher und an die Werke des französischen Künstlers Jacques Callot?

Die Tradition, Kleidung zu zeichnen, führt mit dem Blatt »Edelmann mit Pelz verbrämtem Mantel und Degen« ins frühe 17. Jahrhundert. Die Grafik des französischen Künstlers Jacques Callot (1592–1635) zeigt einen prachtvoll gekleideten Edelmann mit Degen: Sein Schlapphut mit aufgeschlagener, breiter Krempe und langer, wehender Feder fängt den Blick des Betrachters ein. Ebenso die gespornten Stiefel: weit ausladende Stulpen reichen bis unters Knie. Die stattliche Figur des Edelmannes wird verhüllt von einem pelzbesetzten Mantel. Prächtige Pluderhosen schauen darunter hervor, deren Weite wird unter den Knien von breiten Bändern gezähmt.

Das Blatt zählt zur charmanten Radierserie »La Noblesse Lorraine« (1624), die auf 12 Blättern adlige Damen und Herren aus der Gegend Lothringens in prachtvoller Garderobe und vornehmer Pose zeigt. Callot spiegelte ein lebendiges und getreues Bild der Mode seiner Zeit.

Callots Radierungen waren seit der Entstehung europaweit bewundert und bei Sammlern begehrt. Der Berliner Professor und königliche Costumier Albert Kretzschmer benannte Jacques Callot in seiner grundlegenden Kostümkunde Die Trachten der Völker vom Beginn der Geschichte bis zum 19. Jahrhundert als beispielhafte Quelle für französische Kleidung des 17. Jahrhunderts.

Meyers Konversationslexikon nahm Ende des 19. Jahrhunderts die Radierung »Edelmann mit Pelz verbrämtem Mantel und Degen« in den Kanon europäischer Kunst- und Kostümgeschichte auf: abgebildet in Farbe und beschrieben mit den Worten: »Französischer Edelmann um 1620–30 […] in der aus der Verwilderung des Dreißigjährigen Krieges erwachsenen Stutzertracht.«

Bild: Jacques Callot (1592–1635), Edelmann mit Pelz verbrämtem Mantel und Degen, Radierung aus der Serie »La Noblesse Lorraine«, 1624, Inv.-Nr. K 4281 G/Kulturhistorisches Museum Rostock

 

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29.01.2021

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag
10.00 bis 18.00 Uhr 

Eintritt frei