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100 UND 1 ZEICHNUNG. MECKLENBURGISCHE TRACHTEN VON WOLFGANG »WOLF« BERGENROTH (1893–1942)

Online-Reihe SICHTweisen, Teil 5

Sniderdanz – ein Bauerntanz getanzt und gedruckt

Danz up de Deel: Kiekbusch, Schwedisch Quadrille, Windmöllerdanz und Sniderdanz heißen Mecklenburgische Bauerntänze. Marie Peters (1898–1936), Turnlehrerin in Schwerin, hegte große Leidenschaft für diese Volkstänze. Ob Erntefest oder Bauernhochzeit – sie forschte auf den ländlichen Tanzdielen nach Tanzschritten und -figuren, nach Musik und Gesang.

Mit ihrer »Schweriner Mädchentanzgruppe« erweckte sie die Bauerntänze zu neuem Leben.

Mit ihrer Publikation Mecklenburgische Bauerntänze (1911) verewigte sie 50 Tänze für die Zukunft.

Im Jahr 1924 beauftragte Marie Peters Wolfgang Bergenroth mit Entwürfen zu Mecklenburger Bauerntänzen. In Folge entstanden zehn Farbholzschnitte – das Blatt »Sniderdanz« zählt dazu.

Marie Peters charakterisiert den Sniderdanz als einen Singtanz für vier Paare. Bergenroth setzt ihre Beschreibung im Farbholzschnitt um:

»Dat ›Dörchkrupen‹ ist besonders wirkungsvoll als ›Infädeln‹ im Schneidertanz. Vier Paare stehen im Kreis und haben die Hände gefaßt. Das erste Paar schlüpft unter den hochgeho-benen Armen des gegenüberstehenden Paares (Nadelöhr) hindurch dann läßt der erste Bursche die rechte Hand los, indem er seinem Mädchen einen kräftigen ›Schubbs‹ nach rechts gibt; die durch Fassen der Hände mit dem Mädchen verbundene Kreishälfte läuft rechts herum, während der Bursche seine Kreishälfte links herum auf den Platz zurück führt.«

Bergenroth zeigt »dat Dörchkrupen« und »Infädeln«: In der oberen Mitte des Blattes finden wir das Paar mit erhobenen Armen ein »Nadelöhr« bildend. Die anderen Paare ziehen mit der Tanzfigur der Kette paarweise durch den Bogen der Arme. Sie »fädeln« sich »in«. Sehr sinnfällig wird eine typische Technik des Schneiderhandwerks, das Nähen, in die Sprache des Tanzes übersetzt.

Marie Peters betont gleichsam »den köstlichen Humor« des Spottverses, gesungen zum Sniderdanz:

»Snider, Snider wipp, wapp, wupp, alle Dag Kartüffelsupp,

Sündags givt dat ok nich väl, denn givt wat mit ’n Bessenstäl.

Mandags hürt dat noch nich up, Du verflixter Zägenbuck!«

Der Dorfschneider sei – so Peters – als Hungerleider bekannt, meist für Feldarbeit zu schwach, deshalb geneckt und verspottet. Folglich werde er bockig. Im Schneidertanz würden aus diesem Grund alle Verbeugungen in »Ziegenbockmanier« gemacht: »mit dem Kopf gestoßen und mit einem Bein hinten ausgeschlagen, eine drollige Tanzfigur, die stets große Heiterkeit erregt.«

Der Farbholzschnitt »Sniderdanz« vermittelt und bewahrt die Begeisterung und Lebensfreude der Tanzenden. Der spezifische Humor? – ist Geschichte.

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Bild: Wolf Bergenroth, Sniderdanz, um 1925, Farbholzschnitt, Inv.-Nr. K 907 G, Kulturhistorisches Museum Rostock

 

19.02.2021

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag
10.00 bis 18.00 Uhr 

Eintritt frei